Die Befreiung von der mittelalterlichen Niederhaltung des freien Denkens hat der Menschheit den Aufbruch in ein neues, dynamisches Zeitalter ermöglicht. Der technische Fortschritt hat sich seit der Erfindung der Kondensator-Dampfmaschine im Jahr 1768 immer weiter beschleunigt. 

Wenn jetzt, kaum mehr als 250 Jahre später künstliche Intelligenz diejenige von Menschen zu überholen beginnt, ist es allerhöchste Zeit, sich einer gefährlichen Entwicklungsschere bewusst zu werden. Denn während der rasante technische Fortschritt auch immer wirksamere Waffen hervorgebracht hat, sind bei der soziologischen Entwicklung der Menschen (namentlich ihrer Politiker) keinerlei Fortschritte erkennbar. Nach rationalen Kriterien müssten diese mit dem immer gefährlicheren Arsenal immer vorsichtiger umgehen.

Dieser Entwicklungsstillstand erklärt sich aus der widersprüchlichen ökologischen Position von Menschen zueinander: Sie sind ihre wichtigsten und sogar überlebensnotwendigen Kooperationspartner und zugleich ihre ärgsten Rivalen um die Ressourcen der Erde, vor allem um Land. Dies hat die Bildung von Gruppen und entsprechendes Gruppenverhalten hervorgebracht, wobei innerhalb der Gruppe die Kollaboration im Vordergrund steht. Im Verhältnis zwischen den (territorialen) Gruppen liegt ein Gemenge aus Kooperation (Handel) und Rivalität (Krieg) vor. Es zeichnet sich ab, dass autokratische Machthaber 'ihre' Nationen viel leichtfertiger in Kriege führen als demokratische Idealisten. Letztere dürfen nicht mit  den vielen Opportunisten in hohen Positionen demokratischer Staaten verwechselt werden.

Das menschliche Gehirn, das auf technischem Gebiet streng rational zu arbeiten vermag, erweist sich im politisch-soziologischen Bereich als egoistisches, hypokritisches, vorurteilsbefrachtetes, heuchelndes und rücksichtsloses Überlebensorgan, dem es sehr schwerfällt, für die Angehörigen der eigenen Gruppe und erst Recht für die eigene Person dieselben Regeln gelten zu lassen wie für andere. Nicht manipulierte künstliche Intelligenz als prinzipiell neutrale, rein rationale Instanz bietet da die einmalige Chance, an einer Lösung für die Problematik der widersprüchlichen ökologischen Doppelposition zu arbeiten, in der sich Menschen zueinander befinden. Auf der internationalen Ebene geht es namentlich darum, den 1945 als leeres Versprechen formulierten Vorsatz der Vereinten Nationen, die Menschheit von der Geisel des Krieges zu befreien, umzusetzen. Dazu bedarf es einer ständigen Weiterentwicklung der seit 1945 weitgehend eingerosteten UNO-Charta.

Diese Chance besteht nur für sehr begrenzte Zeit. Schon innerhalb der nächsten Jahre werden Investitionen in KI in Billionenhöhe erwartet. Diese Investitionen können jedoch nicht von den hochverschuldeten und in irrationalen Kriegen engagierten Nationen aufgebracht werden. Vielmehr werden sie von einer Finanzelite getätigt, die die freien Nationen des Westens bereits mit dem politisch voreingenommenen Einheitsbrei der Mainstream-Medien beglücken. Eine von diesen Kräften beherrschte KI-Welt würde die reale Welt den Überwachungs- Kontroll- und Manipulationspraktiken immer näher bringen, die George Orwell vorhergesehen hat.

Nur eine ideologisch unbeeinflusste, allein an den Kernwerten Wahrheit, Leben/Frieden, Freiheit und Fairness orientierte KI ist in der Lage, zielführend am Schicksalsproblem der ökologischen Doppelposition der Menschen als ihre ärgsten Rivalen und zugleich notwendigen Kooperationspartner zu arbeiten, also an einer anwendungsfertigen politischen Philosophie. 

Und da Menschen bei ihren Entscheidungen viel stärker von ihren Gefühlen geleitet werden als sie sich selber eingestehen, geht es auch um Leitlinien für eine Weiterentwicklung der Religionen. Dabei kann ein idealistisches Projekt in Angriff genommen werden, das die Gruppe Queen in ihrem Song One Vision kurz und knapp umrissen hatte - "one true religion". - An dieser einen wahren Religion zu arbeiten stellt ebenso eine nicht endende Daueraufgabe dar wie im politischen Bereich ganz generell an der Weiterentwicklung der Prinzipien und Regeln des menschlichen Zusammenlebens auf der Grundlage ewiger Werte wie Leben und Freiheit. 

Das bedeutet jedoch keineswegs Verdrängung bestehender Religionen, sondern die stetige Verbesserung ihrer Kompatibilität durch Anerkennung gemeinsamer Werte.