Donald Trump ist im Irankrieg in die Sackgasse geraten, vor der ich wiederholt und rechtzeitig gewarnt habe. Denn er wie die große Mehrzahl westlicher Politiker hat die Mentalität und Hauptstrategie aller Islamisten ignoriert - die Provokation Israels und der USA. Denn die darauf erfolgenden westlichen Vergeltungsschläge bringen ihrer Zivilbevölkerung exakt das Leiden, das ihnen nach entsprechender Medienberichterstattung Wogen der Sympathie, Unterstützung und Ausbreitung ihrer Ideologie einträgt. Sie wollen Krieg - aber dem Westen die Schuld zuweisen.
Angesichts dieser Strategie war es vorhersehbar, dass die Verhandlungen mit dem Regime in Teheran nicht zu zufriedenstellenden Ergebnissen führen würden. Diese Situation lässt zwei Optionen offen:
Die erste ist ein sofortiger Regimewechsel. Dies ist der Wunsch der meisten Iraner. Die freiheitsliebende Haltung der Iraner ist ein unschätzbares Gut, das sorgsam bewahrt und gefördert werden muss. Daher muss die oberste Regel in jedem Befreiungsprozess sein, Zivilisten und deren Eigentum nicht zu schädigen. Die Zerstörung von Infrastruktur und Wohnraum wäre höchst kontraproduktiv. Es ist unerlässlich, die Lehren aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan – sowie aus dem ähnlich fehlgemanagten Gaza-Krieg – zu ziehen.
Dementsprechend muss die Regierung Netanjahu die Anwendung ihrer selbstbeschädigenden Dahiya-Doktrin gegen die Hisbollah im Libanon unverzüglich einstellen.
Die alternative Option in der gegenwärtigen Situation unbefriedigender Verhandlungen ist der Rückzug aus der Golfregion nach Abschluss eines nicht zufriedenstellenden Vertrages. Drei Gründe sprechen für diese Option. Erstens würde selbst ein besseres Abkommen mit dem Regime weder ein nachhaltiges Zusammenleben in der Region garantieren noch die internationale Ausbreitung von Islamismus und Terrorismus stoppen.
Zweitens sieht sich die Führung in Teheran wachsendem internen Widerstand gegenüber. Die iranische Bevölkerung, die seit der betrügerischen Machtübernahme durch das theokratische Regime 1979 brutal unterdrückt wird, hat den Islamismus endgültig satt und strebt nach einer echten Demokratie.
Ein drittes Argument für eine geduldige, langfristige Lösung lautet, dass die Trump-Regierung die Lehren aus der langen Reihe fruchtloser und letztlich selbstmörderischer Kriege von Vietnam bis Afghanistan noch nicht ausreichend gezogen hat: Bevor das US-Militär und der Geheimdienst jemals wieder in solch umfangreichen Missionen eingesetzt werden können, muss dieser unzuverlässige Staat im Staate gesäubert und unter effektive demokratische Kontrolle gebracht werden. Dies gilt insbesondere für den kontraproduktiven Einfluss des MIC, des militärisch-industriellen Komplexes. Im Blog-Teil dieser Homepage findet sich bereits der Neun-Punkte-Plan zur Wiederherstellung der Demokratie im Iran. https://www.frieden-freiheit-fairness.com/blog/neun-punkte-plan-zur-wiederherstellung-der-demokratie-im-iran-wiederherstellung-der
Dieser Plan ist für eine baldige oder auch eine spätere Umsetzung geeignet. Bei Verzögerung um Monate oder Jahre dient das hier im Anschluss vorgestellte „langfristige psychologische Programm“ dazu, geduldig und zielstrebig auf diese Umsetzung hinzuarbeiten.
DAS LANGFRISTIGE PSYCHOLOGISCHE PROGRAMM
1. Das Narrativ: Der Souveränitätsbetrug von 1979
Um die Theokratie schrittweise zu untergraben, ist es unerlässlich, ihren Gründungsmythos als betrügerisch und illegitim zu entlarven. Das Regime leitet seine Autorität von der Revolution von 1979 ab und stilisiert sie als heiligen Volksaufstand. Die korrekte Gegenerzählung muss das Jahr 1979 systematisch umdeuten – nicht als heiliges Ereignis, sondern als raffiniertes verfassungsrechtliches Täuschungsmanöver.
• Die Erbsünde: Die Öffentlichkeit und die unteren Ränge des Militärs sind daran zu erinnern, dass den Millionen, die 1979 demonstrierten, die Freiheit versprochen wurde.
• Der Pseudo-Verfassungsputsch: Es muss hervorgehoben werden, wie die radikale Klerikerelite die säkularen und nationalistischen Revolutionäre systematisch ausmanövrierte und den Verfassungsentwurf so umschrieb, dass er das absolute Vetorecht des Obersten Führers (Velayat-e Faqih) einführte.
• Die Darstellung: Die Bewegung „stürzt den Staat“ nicht; sie setzt das ursprüngliche, unerfüllte Versprechen der iranischen Souveränität gegenüber einer ideologischen Besatzungselite durch. Ein historischer Irrweg wird korrigiert.
2. Der Einfluss der Medien: Der „BBC-Hinwendungspunkt“ und die historische Wiedergutmachung
Vor und während Khomeinis Machtübernahme 1979 fungierte der persische Dienst der BBC unbeabsichtigt als sein Sprachrohr, indem er seine Reden und Tagespläne wortgetreu ausstrahlte und ihm so immense, unverdiente Legitimität verlieh.
• Moralischer Druck: Eine koordinierte diplomatische und PR-Kampagne iranischer Diaspora-Organisationen und westlicher Regierungen soll die BBC unter Druck setzen, ausführliche historische Rückblicke auf den Übergang von 1979 auszustrahlen. Andere öffentlich-rechtliche Sender wie Voice of America und Deutsche Welle können zur Teilnahme aufgefordert werden.
• Inhaltliche Neuausrichtung: Es geht nicht um die Ausstrahlung offener Gegenpropaganda (die die Glaubwürdigkeit untergräbt), sondern um unerbittliche, objektive Aufdeckung.
3. Vermeidung einer psychologischen Falle
Um zu verhindern, dass sich das Regime in einem verzweifelten Überlebenskampf vereint, muss der Plan die „Goldene Brücke“ bis zum letzten Moment offenhalten. Die Architektur des Ausstiegs muss sichtbar, glaubwürdig und über Monate und Jahre hinweg konsequent kommuniziert werden.
• Entpolitisierung des Berufssoldaten: Das langfristige Narrativ muss ständig wiederholt werden: Das Berufsmilitär ist von der ideologischen Elite getrennt. Zur Rechenschaft gezogen wird ein sehr kleiner Kreis hochrangiger Menschenrechtsverletzer und korrupter Oligarchen.
• Deeskalationsleiter: Offiziere der mittleren Ebene müssen wissen, dass ihr problemloser Übertritt garantiert ist. Dies muss Jahre vor der Befreiung klar sein.
• Planbarer Übergang: Dieselbe Garantie gilt für Arbeitsplätze und Pensionen in der Verwaltung. So wirkt der Übergang nicht wie eine beängstigende, chaotische Säuberung, sondern wie eine unvermeidliche, professionelle Reorganisation, bei der die unteren und mittleren Ebenen des Staatsapparats ihre Loyalität einfach wieder dem Staat selbst zuwenden.