1.Das autokratisch-militaristische Joch
Seit den Anfängen der Zivilisation ist die Menschheit einem doppelten Joch unterworfen. Dieses besteht in verschärfter kriegerischer Bedrohung durch rivalisierende Völker und in autoritärer Beherrschung durch eine abgehobene Oberschicht. Tendenziell verschlimmerte sich die Lage vor allem durch zwei Mechanismen. Erstens setzten sich im Machtgerangel der privilegierten Kreise vor allem skrupellose, narzisstische und gegenüber Bürgerinteressen ignorante Charaktere durch. Adelige Landesherren entfesselten Kriege, wenn sie die Chance sahen, damit ihre persönlichen Herrschaftsbereiche zu erweitern. Diesen Machtzielen opferten sie bedenkenlos das Leben ihrer Untertanen.
Zweitens führte der Fortschritt der Waffentechnik dazu, dass diese Kriege immer blutiger wurden. Mit diesem bis heute ungebrochenen Trend gerät die Zivilisation immer tiefer in eine historische Sackgasse, und zwar so lange, wie sie den verantwortungsfernen Narzissmus der tatsächlich Mächtigen und ihrer opportunistischen Mitläufer nicht in den Griff bekommt - und damit die Kriege, die unter deren Einfluss grassieren.
Die ungünstigen Persönlichkeitsprofile auf der Führungsebene haben schon seit Jahrtausenden auch auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet zu destruktiven Trends geführt. Denn wo sich durchsetzungsstarke Zirkel Privilegien sichern und einen einseitigen Zugriff auf die Arbeitsergebnisse anderer Menschen verschaffen können, bleiben die freie wirtschaftliche Entfaltung, das Leistungsprinzip und damit auch die technologische Innovation auf der Strecke.
Die rund 60 Mio. Kriegstoten im 2. Weltkrieg waren als eindringliche Mahnung dazu geeignet, sich der historischen Sackgasse bewusst zu werden und sich entschlossen an ein Ausbrechen zu machen. Tatsächlich haben die Abgeordneten der UNO-Gründungskonferenz 1945 in der Präambel ihrer Charta auch den wegweisenden Vorsatz verkündet, „die Menschheit von der Geisel des Krieges zu befreien.“ Doch fehlte der Botschaft die Eindringlichkeit, dass dieser Paradigmenwechsel hin zu gewaltfreien Konfliktlösungen nicht nur höchst wünschenswert ist, sondern bereits auf mittlere Sicht eine Voraussetzung für das Überleben der Spezies.
2. Die versäumte Stabilisierung des demokratischen Prinzips
Schon viel früher, nämlich ab 1776, hätte die Loslösung der USA vom britischen Mutterland endgültig aus der dunklen Epoche des unterdrückten Fortschritts und der Menschenopferung für Machtinteressen herausführen können und müssen. Thomas Jefferson, Autor der Unabhängigkeitserklärung, hatte sogar ausdrücklich vor exakt den Störeinflüssen gewarnt, welche die demokratisch-rechtsstaatliche Ordnung seither schleichend unterminieren. Bei diesen Einflüssen handelt es sich um eine expansive Macht von Finanzinstituten, um die Wahrheitsverbiegung durch Zeitungen und um einen Militarismus in der Außenpolitik.
Trotz dieser Warnungen haben es Generationen amerikanischer und europäischer Politiker versäumt, die freiheitliche Demokratie so weiterzuentwickeln, dass sie gegen die Einflussnahme autokratisch ambitionierter Personen resistent bleibt. Dies ist eine historische Daueraufgabe; denn Narzissten finden sich niemals damit ab, wenn ihnen eine demokratische Gesellschaftsordnung die privilegierte Stellung vorenthält, die ihnen in ihrer Selbstwahrnehmung zusteht.
Weil Politiker die Warnungen Jeffersons aus Bequemlichkeit und Opportunismus ignorierten, konnte sich der Staat Schritt für Schritt von seinen freiheitlichen Idealen entfernen. Die westlichen Demokratien befinden sich inzwischen auf dem halben Weg einer Rolle rückwärts in die Autokratie, indem der Entstehung undemokratischer Machtstrukturen inmitten ihrer Rechtsordnung tatenlos zugesehen wird. Zu diesen Strukturen gehören u. a. privilegierte Finanzsysteme, ebenfalls (u. a. steuerlich) privilegierte Konzernoligopole sowie ein Informationssystem, das gleichfalls von einem Oligopol dominiert wird, nämlich dem der großen Nachrichtenagenturen. https://kontrast.at/noam-chomsky-medien-edward-s-herman/#:~:text
https://www.sociologygroup.com/mass-media-as-a-power-institution/
Auch die Geheimdienste und das Militär stellen teilautonome, autokratische Machtzellen innerhalb der demokratischen Gesellschaften dar. In Großbritannien und den USA ist die Entwicklung des Sicherheitsapparates zu einem Staat im Staate besonders weit vorangeschritten, mit eigener Militärgerichtsbarkeit und umfangreicher Rechenschaftsverweigerung.
3. Die „Früchte“ der Geldherrschaft
Das dauerhafte Ignorieren der Mahnungen Jeffersons und anderer Gründerväter hat unsere Zivilisation in die aktuellen militärischen Konflikte geführt. https://consortiumnews.com/2022/09/24/john-pilgers-2014-warning-about-ukraine/
Zudem wird deren enormes Eskalationspotenzial von Medien und Politik unverantwortlich ignoriert oder heruntergespielt – ebenso wie schon seit Langem die Unzuverlässigkeit aller politischen und militärischen Kräfte, die diese Kriege hätten verhindern, längst friedlich abstellen oder – im Falle des Nahostkonflikts – siegreich beenden können.
Die Geldherrschaft hat bereits eine dermaßen wirksame Debattenverengung geschaffen, dass für eine Infragestellung des objektiv klar erkennbaren Selbstmordkurses der Zivilisation kein Spielraum mehr bleibt. Wenn jenseits der bedingungslosen militärischen Unterstützung der Ukraine übergangslos russische Propaganda unterstellt wird, ist der Meinungspluralismus und damit ein Kernelement der vermeintlich verteidigten Demokratie dabei, über Bord zu gehen.
Die diese Einsichtsresistenz verursachenden psychologischen Beharrungs- und Selbstverstärkungsmechanismen des Systems machen eine absolut friedliche, faire und demokratische, aber umfassende Reform im gesamten Westen zum alternativlosen Ausweg.
4. Bestandsaufnahme
Dessen Ausgangspunkt bildet eine Bestandsaufnahme der maßgeblichen historischen Fehler und Versäumnisse. Unter diesen stellte der Federal Reserve Act von 1913 einen absoluten Super-GAU dar, der das Macht-Gleichgewicht nachhaltig zu Lasten der demokratischen Nationen und zugunsten des privaten Finanzsystems verschob. Prinzipiell schöpfen Geschäftsbanken bereits seit Jahrhunderten durch Buchungssätze und Kreditvergabe Geld aus dem Nichts. Doch das Federal Reserve-Gesetz von 1913 brachte einen qualitativen Systemsprung, indem es eine gewaltige Rationalisierung dieser Vorgänge ermöglichte. Die Etablierung einer Zentralbank als Rückhalt (Lender of Last Resort) erleichterte Geschäftsbanken die Schaffung neuen Geldes bei der Kreditvergabe und minimierte ihre Risiken. Die staatlich institutionalisierte Absicherung bildete damit ein Turbo-Privileg zur Geldschöpfung für private Banken. Seit nunmehr 113 Jahren wandert die reale Kaufkraft der westlichen Volkswirtschaften immer mehr zu einer Finanzelite und deren Heerscharen von Systemprofiteuren. Während Bill Clintons Präsidentschaft festigten zwei Gesetze die Position des Bankensektors als außerstaatliches Machtzentrum, in welchem wenige großer Player ein Oligopol halten. Die Finanzkrise von 2008 lässt sich direkt mit Clintons verheerender Deregulation (u. a. des Derivatehandels) in Verbindung bringen. https://journals.law.harvard.edu/hblr//wp-content/uploads/sites/87/2014/09/Derivatives-and-Credit-Crisis.pdf
Einen Gradmesser für die substanzzehrende Wirkung des entfesselten Finanzsystems stellt die Wohlstandsentwicklung der arbeitenden Bevölkerung dar. Seit etwa Mitte der 1990er Jahre hat kaum noch eine Zunahme der realen Kaufkraft stattgefunden – trotz bedeutender Zunahme der Arbeitsproduktivität. In derselben Zeit sind auch die Staaten verarmt – wachsende Schulden, Ausverkauf durch Privatisierung und eine sanierungsbedürftige Infrastruktur.
5. Gefährliches Tandem MIC und Finanzwirtschaft
Grund zum Jubeln haben jedoch die Rüstungskonzerne. Dafür sorgt die enge Kooperation zwischen dem transnationalen Finanzimperium und dem militärisch-industriellen Komplex (MIC). Bereits während des 1. Weltkrieges hatte namentlich die Großbank J.P. Morgan die jahrhundertealte Praxis, Ländern Rüstungskäufe auf Kreditbasis zu ermöglichen, zu kriegsentscheidenden Dimensionen gesteigert. https://cdn.mises.org/The%20Merchants%20of%20Death_2.pdf
Die ‚Erfolge‘ des westlichen Militärs stehen allerdings spätestens seit dem Vietnamkrieg im umgekehrten Verhältnis zu den ins Absurde gesteigerten Rüstungsausgaben und zur surrealen Verschleppung der Militäreinsätze (Vietnam und Afghanistan je 20 Jahre mit desaströsem Abschluss). Rüstungsgeschäfte, Konfliktverwaltung und das Anbahnen neuer Interventionen wurden so zu profitablen Geschäftsmodellen, die ohne Rücksicht auf wahre Sicherheitsinteressen der Bürger im Automatikmodus weiterlaufen. https://www.imi-online.de/2022/09/20/ruestungsindustrie-im-kapitalismus/
U. a. sogenannte Drehtüreffekte sorgen dafür, dass der interessengetriebene Automatismus alle Komponenten des Systems koordiniert einschließt. So wechseln viele hohe Offiziere in die Rüstungsindustrie, deren Umsätze sie bei ihren Militäreinsätzen gepusht haben. Leute aus der Rüstungsindustrie werden dafür in politische Posten gehoben, wo sie ihren Ex-Arbeitgebern staatliche Aufträge verschaffen. Auch ohne zentrale Koordination arbeitet das System uhrwerkartig an der Verschleppung und Neuschaffung von Konflikten. https://www.govexec.com/management/2018/11/latest-count-revolving-door-defense-contractors-names-names/152836/
6. Die verhängnisvolle Zangenprogrammierung der Gesellschaft
Es schützt sich dabei vor einer Ablehnung durch die Bürger, und zwar durch deren Polarisierung in zwei miteinander verfeindete Lager, Linke und Konservative. Das funktioniert ebenfalls im automatischen Routinemodus, indem Medien und NGOs zwei große, ganz verschiedene Narrativ-Sammlungen bedienen, welche jedes der politischen Lager auf seine Weise von rationalen Prinzipien und wahren gesellschaftlichen Gefahren entfremden und sie ihre Energie gegeneinander vergeuden lassen.
Das bürgerlich-konservative Lager wurde in einen reflexhaften, unkritischen Militarismus getrieben. Patriotismus, so die Botschaft, müsste sich vor allem in bedingungsloser Unterstützung jeder militärischen Intervention äußern. Während blinder Hau-drauf-Militarismus zur Handlungsmaxime aufstieg, wurden das Lernen aus historischen Fehlern, Prinzipientreue, psychologisches Feingefühl, und strategische Weitsicht achtlos abgedrängt. Indem das politische Bewusstsein der Bürger und Politiker auf unterentwickeltem Niveau gehalten wurde, konnte die überfällige Säuberung des Sicherheitsapparates und des MIC nie auf die politische Agenda gelangen. Selbst während so drastischer Skandale wie der Iran-Contra-Affäre hat konzertiertes Gegensteuern der Medien politische Konsequenzen verhindert. https://theintercept.com/2014/09/25/managing-nightmare-cia-media-destruction-gary-webb/
Die politische Linke tendiert traditionell in die entgegengesetzte, pazifistische Richtung. Dieser Pazifismus mutiert jedoch seit dem Vietnamkrieg (1955-1975) zunehmend zu einem Appeasement, mitunter gesteigert bis zur Identifikation dem militärischen Gegner. Damit konterkariert man die Chancen auf Frieden, denn dieser gedeiht im Ambiente gegenseitigen Respekts. Einseitiges Nachgeben ohne Gegenleistungen zieht dagegen Respektlosigkeit und eine Kaskade weiterer Forderungen nach sich. Die linke Kritik am westlichen Militarismus ist vollkommen berechtigt, ignoriert aber dessen selbstbeschädigende Seite: Indem Zivilisten im Einsatzland mehr als unvermeidbar leiden, wird die Reputation der USA und des Westens untergraben, während Islamisten und andere Freiheitsfeinde über die Medienberichterstattung „moralische“ Rückendeckung erhalten.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Konservative und Linke auf zwei ganz verschiedene, aber gleichermaßen die eigenen demokratischen Nationen beschädigende Wege geleitet werden. Diese doppelte außenpolitische Fehlorientierung wird durch eine innenpolitische ergänzt. Als Ergebnis polarisierender Medieneinflüsse nehmen sich Linke und Konservative als erbitterte Gegner oder gar Feinde wahr, während es quer über alle Parteigrenzen hinweg narzisstische und verantwortungsferne Fassadendemokraten sind, die einer Zukunft in Frieden, Freiheit und authentischer Rechtsstaatlichkeit im Wege stehen.
7. Das israelische Dilemma: Von der militärischen Stärke in die Dahiya-Falle
Die geopolitischen Konsequenzen der Fehlentwicklung zeigen sich im Nahen Osten besonders drastisch. Nach historischen Siegen 1948, 1956, 1967 und 1973 ist Israel unter Mitwirkung von Systemprofiteuren in den eigenen Reihen in die strategische Falle seiner Gegner gelaufen. Mit der sogenannten Dahiya-Doktrin seit 2008 lässt sich der jüdische Staat zu einem plumpen Militarismus verleiten, der das abschreckende Beispiel kontraproduktiver amerikanischer Militäreinsätze wie im Irak in nochmals gesteigerter Form kopiert.
Diese Antistrategie setzt auf die flächendeckende Zerstörung ziviler Bausubstanz und Infrastruktur zur vermeintlichen Abschreckung. Doch verwüstete Wohngebiete brechen weder den Willen von Terrorstrukturen wie Hamas, noch schwächen sie deren Rückhalt in der Bevölkerung. Ganz im Gegenteil kommt es zum Rally-around-the-flag-Effekt, der verarmte und verzweifelte Zivilisten direkt in die Arme ihrer extremistischen Führer treibt. Gleichzeitig liefert die Dahiya-Strategie der weltweiten Medienmaschinerie das perfekte Bildmaterial, um Israel als Aggressor zu brandmarken und das Judentum weltweit in eine gefährliche Isolierung zu drängen.
8. Die systemische Selbsttäuschung und das Erwachen
Das gesamte System wird von Millionen dezentraler Akteure am Laufen gehalten. Zu ihnen gehören außer Lobbyisten vor allem Karrieremacher aller Bereiche, u. a. in NGOs und in den Führungsetagen der Großkonzerne. Letztere stehen zunehmend unter dem Druck, riesige Spenden an NGOs (mit dem ‚richtigen‘ politischen Profil) zu leisten. Weitere lukrative Karrieremöglichkeiten bietet das System u. a. im Mediensektor, im Militär, in der Politik, in Verbänden und im Bildungswesen. In dem insgesamt gesellschaftsschädlichen Spiel agieren alle Beteiligten ohne übergeordneten Masterplan, allein ihren Karriereinteressen folgend. Die politische Arena steht ihnen so lange offen, wie sie die Diskursverengung durch die ‚Political Correctness‘ beachten.
Das objektiv sozial ungerechte, Verantwortung zerstörende und gefährlich polarisierende System wird im Ambiente einer über die wenigen großen Nachrichtenagenturen oligopolistisch aufgestellten Medienlandschaft schon viel zu lange künstlich vor Reformbestrebungen ‚geschützt‘, indem jede fundamentale Kritik reflexartig abgebügelt und stigmatisiert wird.